Selbstorganisation passiert (nicht) von alleine

Veröffentlicht am Aug 5, 2011 unter Wissen

Wer mit agilen Teams oder Methoden in Kontakt kommt, hört manchmal die Aussage, dass Manager nicht mehr benötigt werden, da sich die Teams selbst organisieren sollen. Das ist ein völlig falsches Verständnis von Selbstorganisation.

Der ScrumMaster hat im Scrum Prozess eine laterale Führungsrolle. Das bedeutet, dass er keine disziplinarische Macht hat, jedoch ganz klar eine Führungsaufgabe hat, was auch durch den Begriff des „Servant Leaders“ deutlich wird.

Wieso braucht man diese Rolle? Sind ein Team von Experten nicht von alleine in der Lage durch Selbstorganisation möglichst efffizient Software zu produzieren? Der Haken an selbstorganisierten Systemen ist, dass ohne vorgegebene Rahmenbedingungen absolut beliebige Systemzustände entstehen. Das bedeutet nicht zwangsläufig Chaos, aber auch nicht, dass ein System alleine zu positiver Entwicklung neigt.

Ein System könnte zum Beispiel zu einer lokalen Optimierung neigen. Sagen wir mal, ein Team ist damit beauftragt, intensive Lasttests auf eine im Internet platzierte Serverfarm durchzuführen. Dieses Team wird sich bemühen, die Arbeitsumstände so optimal wie möglich für ihr Vorhaben zu gestalten und im schlechtesten Fall die Netzwerkbandbreite der gesamten Firma konsumieren.

Und auch Manager setzen Rahmenbedingungen für Teams: Sie müssen Menschen zum Beispiel vor Mobbing schützen, gemeinsame Ressourcen wie Platz im Büro, Netzwerkbandbreite, usw. vor zu hoher Inanpruchnahme durch einzelne Teams und Individuen.

Ein „Rahmengeber“ ist also ein elementarer und wichtiger Bestandteil eines selbstorganisierten Teams. Innerhalb dieser Grenzen kann eine positive und sinnvolle Entwicklung eines Teams stattfinden. Hier ist neben dem ScrumMaster auch das Linienmanagement gefragt, diesen Rahmen zu definieren.